Wild und Hund 19/1993 - Der Laika in deutschen Revieren
Geschrieben von Administrator   
Tuesday, 5. June 2007

Der Laika in deutschen Revieren

Hunderassen und deren Eigenarten sind und bleiben Geschmackssache

von Dr. Bernhard Landes

Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Genehmigung der Redaktion von "Wild und Hund", der wir an dieser Stelle Dank sagen möchten!

In der Literatur wird über Laiki angegeben, daß sie zu der ältesten Gruppe der Jagdhunde gehören. Als "Heimat" wird der nördliche bewaldete Teil Europas und Asiens benannt. Über große Zeiträume wurden diese Hunde relativ "unorganisiert gezüchtet". Eine natürliche Auslese war der bestimmende Zuchtfaktor. Hunde, die bei der Jagd keine oder nicht ausreichende Leistungen zeigten, wurden früher als Schlittenhunde eingesetzt oder sie dienten der Fellgewinnung. Mit der organisierten, durch den Menschen gesteuerten Zucht dieser Hunde wurde erst im Jahre 1947 gezielt begonnen. Zu diesem Zeitpunkt unterschied man vier Hauptgruppen:

  • Russisch-Europäischer Laika
  • Westsibirischer Laika
  • Ostsibirischer Laika
  • Karelo-Finnischer Laika
Die Rassestandards für Russisch-Europäische, West- und Ostsibirische Laiki wurden am 3. Juni 1980 beim F.C.J. hinterlegt und dort registriert. Folgende Rassestandards der Laiki, für alle vier Gruppen zutreffend, sind: kräftige und sehnige Konstitution; geradestehende, dreieckförmige Ohren; ring- oder sichelförmig gebogene, auf dein Rücken oder am Schenkel getragene Rute-, dichtes Haar mit gutem weichem Unterfell.

Die Rassestandards für Russisch-Europäische, West- und Ostsibirische Laiki wurden am 3. Juni 1980 beim F.C.J. hinterlegt und dort registriert. Folgende Rassestandards der Laiki, für alle vier Gruppen zutreffend, sind: kräftige und sehnige Konstitution; geradestehende, dreieckförmige Ohren; ring- oder sichelförmig gebogene, auf dein Rücken oder am Schenkel getragene Rute-, dichtes Haar mit gutem weichem Unterfell.

Die Entwicklung der Laikazucht in der DDR

Der Russisch-Europäische Laikarüde "Laika" war einer der Stammväter der Zucht dieser Rasse in der DDR

Im Jahre 1966 gelangte eine Laika-Hündin aus Murmansk in die damalige DDR und kam in die Hände des bekannten Rüdemannes 0. Friedrichs. Nach vielen Bemühungen, auch mit aktiver Unterstützung der Obersten Jagdbehörde, wurde ermittelt, daß ein Angehöriger der sowjetischen Streitkräfte in der DDR im Besitz eines Laika-Rüden war. Mit der Verpaarung dieser beiden Hunde (Belka und Nerok) wurde der Grundstein für die Laika-Zucht in der DDR gelegt. Im Ergebnis dieser Verpaarung fiel im November 1967 der erste Laikawurf in der DDR und brachte fünf Welpen; drei Rüden und zwei Hündinnen.
Bald gelangten weitere Laiki - meist Russisch-Europäische - in die DDR. Auf welchen Wegen und durch welche Verbindungen ist nicht mehr nachvollziehbar, meist als Geschenke bzw. über die Jagdbehörde der sowjetischen Streitkräfte in Wünsdorf. Der Laikarüde "Laika", ein Geschenk an den Oberlandforstmeister H. Schotte, wurde zum zweiten Stammvater der Laikazucht in der DDR. Die Verpaarung "Belka" mit "Laika" erfolgte 1968 und brachte im November 1968 4,2 Welpen.

Zu diesem Zeitpunkt existierte weder eine Zuchtleitung noch eine rassespezifische Vereinigung. Im Alleingang wurde die Rasse der Laika von dem damaligen Verantwortlichen für das Jagdhundwesen bei der Obersten Jagdbehörde, Forstmeister Karl Burckhard, vertreten. Das Zustandekommen einer Zuchtleitung, einer geordneten Zucht und Arbeit in der jagdlichen Praxis ist sein großes Verdienst.

Die Zuchtleitung der ersten "Aktivtagung" der Laika 1989 in RoßlauViele Vorbehalte der Jägerschaft - meist aus Unkenntnis - ließen die Laikazucht nur langsam gedeihen. Vorbehalte, oft nicht die Leistungen, sondern vielmehr das äußere Erscheinungsbild betreffend, waren häufig zu hören. Die Laiki paßten nicht in das Klischee eines "Jagdhundes", wie es die deutschen Jäger gewöhnt waren. (Behänge, Rute, Farbe usw.)

Erst 1989 konnte die Zuchtleitung "Laika" die erste Aktivtagung mit Züchtern und Führern in Roßlau abhalten. Seinerzeit gab es in der DDR 22 geschützte, d. h. eingetragene Zwinger für Russisch-Europäische Laiki und 17 zuchttaugliche Hunde. Im Ergebnis der Gründung des Jagdhundeverbandes (JHV) wurde am 16. Juni 1990 die Gründungsversammlung des Laika-Clubs in Münchehof durchgeführt und die Satzung beschlossen.

Jagdlicher Einsatz der Laiki in deutschen Revieren

Die Einsatzmöglichkeiten der Laiki in heimischen Revieren sind vielseitig, der "Allrounder" keine Seltenheit. Ihre besonderen Stärken liegen in der "Einzeljagd", das heißt im Gespann Jäger-Hund. Das ergibt sich aus ihren Hauptanlagen, dem Finden, Stellen und Verbellen. In diesem Zusammenhang ist herauszustellen, daß die Laiki grundsätzlich "stumm" jagen und erst Laut geben, wenn sie das Wild gestellt haben. An der Art des Lautes sowie seinem Intervall kann der geübte Laika-Führer erkennen, was der Hund gestellt hat.

Aber auch bei Drückjagden leisten diese Hunde gute Arbeit, besonders bei Bejagung des Schwarzwildes. Dabei ist jedoch typisch, im Gegensatz beispielsweise zum Verhalten des Deutschen Jagdterriers, daß die Laiki selten Rotten sprengen. Typisch für sie ist vielmehr, die Rotte zusammenzuhalten, sie zu stellen und anhaltend zu verbellen. Besondere Stärken sind ferner sicheres Finden sowie Beharrlichkeit und Ausdauer in der Verfolgung angeschweißten Wildes, denn auch bei der Nachsuche zeigen die Laiki am Riemen durchweg gute Leistungen.

Gewisse Bejagungsarten des Niederwildes sind mit Laiki grundsätzlich möglich. Die Leistungen der für diese Wildarten speziell gezüchteten Vorstehhunde allerdings werden jedoch von Laiki - man denke an das Vorstehen selbst - nicht erreicht.
Bezeichnend für die noch vorhandene "Urigkeit" dieser Rasse (keine Überzüchtung/ Zuchtfehlleistungen) ist, daß es im Gesamtbestand der durch den Laika-Club betreuten Hunde keinen Hund mit HD gibt.

 Prüfungen

Durch den Laika-Club werden jährlich eine Jugend- und eine Gebrauchsprüfung durchgeführt. Die Jugendprüfung umfaßt die Fächer: Hasenspur; Wasserfreude; Führigkeit; allgemeiner Gehorsam; Schußfestigkeit Feld und Kreistest. Die Gebrauchsprüfung umfaßt:

  1. Schweißarbeit (600 Meter Übernachtfährte, 250 Milliliter Wildschweiß)
    Reine Riemenarbeit mit fakultativ: Totverbellen oder Totverweisen sowie Pürschen und Ablegen.
  2. Wasserarbeit: Stöbern hinter der Ente; Bringen aus tiefem Wasser.
  3. Waldsuche
  4. Führigkeit
  5. Gehorsam
  6. Arbeitsfreude
sowie fakultativ: entweder Bringen oder Verbellen sowohl auf der Haar- als auch auf der Federwildschleppe.
In der jagdlichen Praxis, das bestätigen erfahrene Führer, sind die Laiki recht aufmerksame Hunde, die ihrem Führer Fährten sowie Wild sicher verweisen, diszipliniert und freudig mit großer Passion arbeiten und im ausgeprägten Maße Kontakt zum Führer suchen und halten.
Sogenanntes weites Hetzen, ungenügender Appell und andere Unarten kommen nicht häufiger vor als bei anderen Jagdhundrassen auch. Kluge Führung und richtiger Umgang - gefühlvolle Bemessung von Zwang, Strafe und Lob - machen den Laika zu einem leicht führigen, arbeitsfreudigen, zuverlässigen und treuen Jagdhund.

 

Aus Wild und Hund 19/1993 

Was ist eigentlich ein Kreistest?

In der Prüfungsordnung des Laika-Clubs steht hierzu wörtlich:
 
"Der Führer zieht seinem Hund eine etwa drei Meter lange Schnur durch die Halsung und hält ihn daran fest.
Eine Personengruppe von etwa zwölf Personen bildet einen Kreis mit einem Radius von etwa zehn Metern um Führer und Hund. Auf ein Zeichen des Richters gehen alle Personen zugleich Schrittempo zügig zum Zentrum des Kreises und bleiben stehen, wenn sie sich gegenseitig berühren.
Der friedliche Charakter der Situationmuss gewährleistet sein. Danach übergibt der Führer die durch die Halsung gezogene Schnur einer Hilfsperson des Kreises, die beide Enden festhält.
Gegenüber dieser Person öffnet sich der Kreis.
Der Führer verläßt des Kreis, um draußen hinter die Person zu treten, die den Hund an der Schnur hält. Auf Ruf oder Pfiff des Führers lässt die Hilfsperson ein Leinenende los, der Hund soll an der geöffneten Stelle oder durch die Beine einer Hilfsperson den Kreis verlassen und zu seinem Führer laufen.
Der Führer geht mit seinem Hund zurück in das Zentrum des Kreises. Die Helfer dürfen den Hund nicht anschauen (fixieren) oder aggressiv gegen ihn vorgehen.
Erwünscht sind Sicherheit, Furchtlosigkeit und neutrales Verhalten gegenüber Fremden. Kontrollierbare Mannschärfe, die auf "Selbstbewußtsein", und innerer Sicherheit basiert, ist zu tolerieren.
Unerwünscht ist jede Art von Unsicherheit, Angst, unerwünschte Mannschärfe (Angstbeisser) und Aggressionen gegen Menschen (Überschärfe).
Es gilt, die Wesensfestigkeit festzustellen.
Letzte Aktualisierung ( Tuesday, 5. June 2007 )