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Festrede des Vorsitzenden des Laika-Club e.V., Dipl. Vet. Med. Rüdiger Schmidt anlässlich der Festveranstaltung zum 10-jährigen Bestehen des Clubs im "Hotel am Klostersee" in Dargun am 14. Oktober 2000

Die folgenden Fassung wurde mit freundlicher Genehmigung der Redaktion der Zeitschrift "Der Jagdgebrauchshund" Heft 5/2001 entnommen! An dieser Stelle möchten wir der Redaktion und insbesondere Herrn Walch Dank sagen.
 
Großgeworden in einer Jägerfamilie wurde ich schon in frühester Kindheit auf das Jagen mit dem Hund geprägt. Jagdhunde waren schon in unserer Familie vor meiner Geburt. So war es selbstverständlich, daß der Sohnemann zu allen möglichen Hundeprüfungen im Frühjahr und Herbst mit dem Vater fuhr, und von klein auf mit bei der Abrichtung der Hunde half Mein Vater war damals Obmann für das Jagdhundewesen im Kreis, so daß ich auch bei allen gemeinsamen Übungsstunden zugegen war. Vielleicht ermöglichte mir dieses Erleben, heute rasseoffen zu denken und mich auch selbst mit einer seltenen - in Deutschland - Rasse zu befassen.

 

Auf der Vielzahl von erlebten Hundeprüfungen lernte ich natürlich auch eine großeZahl von Richtern kennen - aber auf einer Jagdterrierprüfung in Seega - im heutigen Kyffhäuserkreis einen ganz Besonderen. Ich muß damals so 8 - 9 Jahre alt gewesen sein und es fiel mir auf, mit welcher Achtung man einem Mann in fortgeschrittenem Alter mit gepflegtem Knebelbart und glänzenden Ledergamaschen begegnete. Es war Otto Friedrichs aus Greußen.

Später erfuhr ich, daß eben dieser Mann einer der führenden Jagdkynologen der Nachkriegszeit in Ostdeutschland war. Er war experimentierfreudig, hielt und führte neben Erdhunden auch englische und kontinentale Vorstehhunde - besonders für den Magyar Viszla begeisterte er sich sehr und er jagte und züchtete als einer der Ersten Laiki.
Es war ihm nicht wichtig mit welchem Hund er jagte - die Leistung allein war für ihn entscheidend. Er wurde auch nicht als Spinner abgetan - viele holten sich damals bei ihm Rat eine Einstellung, die manchem Rassefanatiker heute sicher gut zu Gesicht stehen würde.

Beim Durchstöbern der elterlichen Fotoalben stieß ich so im Alter von 12 Jahren auf Fotos von der DDR-Jagdhundeausstellung 1964 in Berlin Biesdorf. Unter anderem waren mir unbekannte Hunde darauf zu sehen - Laiki -. Otto Friedrichs hatte sie ausgestellt.

Später noch fand ich in einigen Exemplaren der Zeitschrift "Unsere Jagd" aus den 60-er Jahren einige Artikel dieses Rüdemannes über die Jagd mit der Laika, über erste Versuche von Leistungsprüfungen - man benutzte damals noch Eichhörnchen, welche im Käfig auf einen Baum gezogen wurden. Meines Wissens fiel auch der erste Wurf Laika im Zwinger "St. Georgs" bei Otto Friedrichs in Greußen im Jahre 1967.Die Hunde wurden von Jägern der sowjetischen Besatzungsarmee mitgebracht und beigemeinsamen Jagden eingesetzt.

Zuchtgeschehen

Eine Vielzahl von Weidgenossen interessierte sich für Laiki und in mehreren Zwingern begann in den 60er Jahren das Zuchtgeschehen. Der territoriale Schwerpunkt lag seinerzeit eindeutig in Thüringen.

Im Zeitraum von 1967 bis 1979 fielen insgesamt 18 Würfe in der DDR. Das Zuchtgeschehen wurde von einer staatlich eingesetzten Zuchtleitung gelenkt, welche durchweg aus Jägern bestand, denen unsere Hunde zur Herzenssache geworden waren. Diese Zuchtleitung zerfiel leider Ende der 70er Jahre da einige der Mitglieder in die ewigen Jagdgründe abberufen wurden. So kam es zu diesem Zeitpunkt zu einer Stagnation, ja zu einem Niedergang der Laikazucht.

Neuanfang

Anfang der 80er Jahre wechselte die Leitung der Zentralen Zuchtbuchstelle in Halle, der alle Zuchtleitungen der Jagdhunderassen unterstanden. Ein Mitglied der alten Zuchtleitung nutzte die Gunst der Stunde, das Wohlwollen des neuen Leiters und rief eine neue Zuchtleitung Laika ins Leben, scharte die verbliebenen Interessenten um sich und kümmerte sich in immenser Kleinarbeit um einen Neuanfang. Dies war, in meinen Augen, der wirkliche Vater der Laiki in Deutschland, unser heutiger Ehrenvorsitzender, Weidgenosse Günter Freyer.

Die zu diesem Zeitpunkt aus 4 Mitgliedern bestehende Zuchtleitung verstand in der Jägerschaft erneut das Interesse an den Laiki zu wecken. Nun wurde die Rassegruppe auch vollständig in den Kreis der anderen Jagdgebrauchshunderassen integriert - und so fielen bis zum Jahre 1986 erneut 11 Würfe wobei angemerkt werden muß, daß die Nachfrage bei weitem das Angebot übertraf und die Welpen ausschließlich in Jägerhand vermittelt wurden. Es wurde eine Prüfungsordnung zur Gebrauchsprüfung für Laiki erarbeitet und diese auch bis 1987 angewandt. Es wurde damals schon die Übernachtschweißfährte, Waldsuche, Schleppe, Wasserarbeit als Hauptfächer geprüft.

Im Jahre 1985 begann die sogenannte Kommission "Zucht und Leistung" - sie war aus kompetenten Vertretern der Zuchtleitungen der einzelnen Jagdhunderassen zusammengesetzt, mit der Erarbeitung einer Rahmenprüfungs- und Zuchtordnung verbindlich für alle Jagdgebrauchshunderassen nur mit unterschiedlichen Anforderungen je nach Rasse in den einzelnen Fächern. Günter Freyer wirkte dort sehr aktiv mit. Herausgekommen waren klare nachvolllziehbare Ordnungen, welche zum Anfang, sie traten 1987 in Kraft, in den einzelnen Rasselagern sehr kontrovers und ablehnend diskutiert wurden, sich aber erstaunlich schnell innerhalb von nicht ganz 2 Jahren durchsetzten und denen manch ostdeutscher Rüdemann heute nachtrauert, da sie im Zuge der Wiedervereinigung verloren gingen. Nach ausgiebigen Briefkontakten mit dieser Zuchtleitung seit 1985 lernte ich Günter Freyer im Jahre 1987 in Rückersdorf bei der ersten Anlagenprüfung nach dieser Ordnung persönlich kennen. Sie können mir glauben, er hatte damals die 60 erreicht doch er war durch und durch ein Energiebündel - und er konnte einen mitreißen.

So führte ich nicht nur 1987 meinen ersten Laika zu verschiedenen Prüfungen, sondern wurde auch in die bestehende Zuchtleitung berufen. Mein Einverständnis dazu war allerdings Günter Freyer zu verdanken.

Im Jahre 1989 fand dann die erste Aktivtagung der Zuchtleitung Laika in Roßlau an der Elbe statt. Es wurden alle bekannten Laikaführer durch die Zuchtleitung eingeladen und bei Hundevorstellung, Vorträgen und einem grünen Abend bildete sich schnell ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Heute sind diese Aktivtagungen ein fester und ich glaube auch schöner Bestandteil unserer Clubarbeit. Nur die Teilnahmeprozente lagen damals bedeutend höher - es war eben eine andere Zeit.

In den Jahren 1988/89 befasste sich die Zuchtleitung natürlich genauso wie heute mit der Laikazucht. Organisation von Prüfungen, DDR-Siegerausstellungen, Registrierung von Importhunden, Welpenvermittlung,     

Beantwortung aller möglichen Anfragen und vielen anderen Sachen. Der treibende Keil in dieser Zeit war immer Günter Freyer. Die letzte Gebrauchsprüfung der Zuchtleitung Laika fand übrigens im Oktober 1989 in Meiningen statt.

Die Wende

Natürlich wirkten sich die politischen Veränderungen in der DDR im Jahr 1989 auch auf die Jagdhundeleute aus so erfolgten so ab Herbst des Jahres endlose Gespräche und Briefwechsel innerhalb unserer Zuchtleitung und natürlich auch mit den Leitungen der anderen Jagdhunderassen über die Neuordnung des Jagdhundewesens in der DDR nach demokratischen Gesichtspunkten. Aus der staatlichen Reglementierung entlassen, mussten wir unser Weiterbestehen und die Geschicke der Rasse nun in die eigenen Hände nehmen. Die Arbeit in der Zuchtleitung wurde schwieriger aber auch interessanter. Wieder war es Günter Freyer, der als Katalysator der Entwicklung wirkte. Auf ihn gehen der Entwurf der Clubsatzung, der Ehrenratsordnung und eine Vielzahl von anderen Initiativen zurück. Alle Laikaführer wurden angeschrieben, um über die Gründung eines Laika-Club zu entscheiden und über seine Stellung und Ziele zu befinden. Wir arbeiteten Rede- und Geschäftsordnungen und alle möglichen anderen notwendigen und sicher auch nicht notwendigen Papiere aus. Es war eine sehr schnellebige, intensive Zeit. Und vor allem war es für uns völliges Neuland. Fast alle in der DDR vertretenen Rassen fanden in den entsprechenden Vereinen der BRD Hilfe und Rat. Wir konnten niemanden fragen, was richtig und was falsch ist.

Parallel dazu erfolgten die Vorbereitungen zur Gründung eines Jagdhundeverbandes der DDR, an denen wir ebenso beteiligt waren. Alle Gedanken und Vorstellungen zur weiteren Gestaltung der Jagdkynologie mussten gesammelt, geordnet, diskutiert und, das war für mich das Schlimmste, in ein verständliches Juristendeutsch gebracht werden.

Ein Höhepunkt dieser Schaffensperiode war für mich der 20.05.1990. Ich durfte an der Gründungsversammlung des Jagdhundeverbandes der DDR in Motzen teilnehmen. Es war ein erfrischendes Gefühl alle Rassevertreter versammelt zu sehen, die teils heftigen Disskussionen zu erleben und mitzugestalten. Heraus kam übrigens ein sehr demokratischer Verband - mit einer Stimme je Mitgliedsverein - zumindest dieses hätte man beim Zusammenschluß mit dem JGHV übernehmen sollen.

Der Laika - Club wird gegründet

Beflügelt davon und nun mit etwas "demokratischer" Versammlungserfahrung ausgestattet, erfolgte 4 Wochen später am 16. Juni 1990 die Gründung unseres Clubs in Münchehofe im heutigen Bundesland Brandenburg. 22 Laikaführer und - Züchter waren unserer Einladung gefolgt, wählten einen Clubvorstand und stellten somit die Weichen für das Fortbestehen der jagdlichen Laikazucht in Deutschland. Am 17.09.1990 wurde unser Club in das Vereinsregister des Kreisgerichtes Eilenburg aufgenommen.

In den folgenden Anfangsjahren versuchten wir unser Clubleben zu ordnen. Es findet dabei natürlich ein ständiger Lern- und Entwicklungsprozess statt - so daß wir z.B. unsere Prüfungsordnung auch schon einige Male änderten.

Ich erinnere mich noch an das Problem des Erreichens einer Mitgliederzahl von 50 als Voraussetzung zur dauerhaften Mitgliedschaft im Jagdhundeverband der DDR. Heute sind wir ein Club mit knappen 100 Mitgliedern und ich bin stolz darauf, daß die meisten von ihnen nicht nur Beitrag zahlen, sondern aktiv am Clubleben teilhaben. Aufgrund unserer vergleichsweise jugendlichen Altersstruktur ist mir um die gedeihliche Entwicklung unseres Clubs auch nicht bange.

Die Vorstandssitzungen - ich berichte aus eigenem Erleben, waren und sind oft sehr von Streit erfüllt - Streit im positiven Sinne - aus dem Wunsch, es besser zu machen. Das streitbarste Vorstandsmitglied war, bis ihn die Gesundheit zwang, 1994 aus dem Clubvorstand auszuscheiden, Günter Freyer, unser Ehrenvorsitzender. Für mich persönlich nicht nur Vorbild, sondern auch väterlicher Freund.

Es war anfangs für uns schwer laufen zu lernen. Oft fragten wir uns - kann man dies oder jenes so oder so machen - wird es auch (z.B. vom Dachverband) anerkannt? Heute haben wir, glaube ich, den Umfang unserer Eigenständigkeit als Club erkannt und empfinden uns auch als ein solcher.

Unserer Bestimmung - Zucht und Prüfung von Hunden zur Jagd - werden wir glaube ich von Anfang an gerecht.

Im Jahr 1991 konnten wir unsere Zuchtordnung und Prüfungsordnung auf der ersten Mitgliederversammlung bestätigen und seit 1992 halten wir regelmäßig Jugend- und Gebrauchsprüfungen ab. Mittlerweile wurden ca. 150 Laiki auf unseren Clubprüfungen geführt.

Zucht und Außenverhältnisse

Auch das Zuchtgeschehen konnten wir voranbringen. So hat der Laika-Club e. V zur Zeit 10 Zwinger von Clubmitgliedern geschützt und es fielen seit Clubgründung 31 Würfe mit 162 Welpen. Da wir eine konsequente Leistungszucht betreiben ist es nicht verwunderlich, daß von der Vielzahl der gerüften Hunde seit 1990 nur 16 Rüden und 20 Hündinnen angekört wurden.

Nun einige Worte zum Außenverhältnis des Clubs. Freilich war es für uns eine Wissenschaft für sich, alle geforderten Unterlagen für den JGHV-Beitritt zu erstellen. Doch heute sind wir gleichberechtigtes JGHV-Mitglied mit allen Rechten und natürlich auch Pflichten. Unsere Richteranwärter werden natürlich nach der Verbandsrichterordnung ausgebildet.

Weniger erfreulich waren die Versuche des VDH-Beitritts. Ein vom Vorstand erstellter und 1994 eingereichter vollständiger Aufnahmeantrag (Umfang: 5 dicke Ordner) wurde nach der Aufnahmeordnung von 1991 erstellt. Da der VDH allerdings ohne eine Mitteilung an uns 1994 - 4 Wochen vor Einreichen unseres Antrages eine neue Aufnahmeordnung beschloß, wurde unser Antrag somit abgelehnt. In den Jahren 1995/1996 erstellten wir mit immensem Aufwand einen neuen, den aktuellen Erfordernissen entsprechenden Antrag - dieser wurde mit für mich absolut fadenscheinigen Begründungen und geforderten mehrmaligen Nachreichungen ebenfalls abgelehnt. Gebracht hat dies für unseren Club eine fast 1 jährige Zuchtsperre - als Forderung dieser Aufnahmeordnung und einige Tausend Mark an Kosten als Bearbeitungsgebühr für unseren Antrag. Reicher geworden sind wir allerdings viel - an Erfahrung. Nach meiner Meinung ist der Laika-Club hierbei Opfer eines Politikums geworden, da der Präsident des VDH uns mit aller Macht dazu bringen wollte, sich dem Deutschen Club für nordische Hunde e.V. anzuschließen, um so diesem Zutritt zum JGHV zu beschaffen. Nun gut - ich denke es geht auch ohne. Wie Sie wissen betrifft diese Misere noch einige andere JGHV-Mitgliedsvereine und unser Dachverband ist dabei, deren Bemühungen nach Kräften zu bündeln.

Sehr erfolgreich präsentierte sich unser Club 1994/95/96 auf der Internationalen Schwarzwildprüfung in Przechlewo in Polen. Leider scheint, nachdem meine Familie 1996 unfreiwillig ohne Auto von der Prüfungsteilnahme zurückkam, niemand mehr Lust zu haben, an dieser hochklassigen jagdkynologischen Veranstaltung teilzunehmen - eigentlich sehr Schade.

Mit dem Deutschen Club für Nordische Hunde e. V. haben wir seit 1992 Kontakte. Wir empfinden denselben nicht als Konkurrenz, da er keine jagdliche Leistungszucht betreibt und die Jagdhundeabteilung im DCHN verschwindend klein ist.

10 Jahre Laika-Club e. V. sind für mich auch undenkbar ohne die freundschaftlichen Kontakte zu unserem Ehrenmitglied Alexander Gurinowitsch aus Minsk. Ich kenne ihn seit 1989 und er nimmt seit vielen Jahren den weiten Weg auf sich, um auf unseren Zuchtschauen als Richter zu fungieren. Er richtet jedoch nicht nur unsere Hunde, sondern bildet dabei auch unsere Zuchtrichter weiter, hilft bei der Beschaffung von ausgesuchten Hunden zur Blutauffrischung und - und ich finde, daß ist das Wichtigste - ist einfach ein guter Freund.

Es liegt in der Natur der Sache, daß 10 Jahre Laika-Club natürlich auch herbe Enttäuschungen, Mißerfolge und andere unangenehme Erfahrungen mit sich brachten. Der Mensch neigt glücklicherweise dazu, solch Erfahrungen wieder zu vergessen. Möge unser nun schon 10 Jahre alter "Welpe" weiter wachsen und gedeihen, sich zu einem leistungsstarken Gebrauchshund entwickeln. Wichtig erscheint mit dabei, daß der "Russenhund" in Deutschland nicht der Größte werden muß aber einer der besten sein sollte.