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Der junge Laika Alex (mit Besitzer Stefan Gutland, links) ist zurzeit in seinen »Flegeljahren« und erprobt seine Kräfte auch an Halbbruder Paul, der Jens Ofer (rechts) gehört. Die beiden Wewelsburger sind im weiten Umkreis die einzigen Jäger, die die seltene Hunderasse Russisch-Europäische Laika führen. Während der Saison nehmen sie mit ihnen an zahlreichen Jagden teil.   Foto: Hanne Reimer

Wewelsburg (WB).  Dazu, ihre Tage gemütlich auf dem Sofa zu verdösen, sind sie nicht geboren. Und auch ein gepflegter Spaziergang auf der Promenade ist nicht ganz das, was Paul und Alex brauchen. Schließlich sind die Jagdhunde mit slawischen Wurzeln echte Temperamentsbündel - und die beiden Einzigen ihrer Art im weiten Umkreis.

 

Russisch-Europäische Laika, so heißt die Rasse, die sie vertreten. Und wie es sich für echten Hunde-Adel gehört, haben sie natürlich auch hochoffizielle Namen, die in ihren Papieren stehen: Paul heißt danach eigentlich »Dayan«, sein Halbbruder Alex »Branco«. Doch ihre Herrchen Jens Ofer und Stefan Gutland finden, dass sich das nicht so gut ruft. Die beiden Wewelsburger, die praktischerweise auch Nachbarn sind, investieren viel Freizeit und fast ihren gesamten Urlaub in ihr Hobby: die Hunde und die Jagd. Und sie sind überzeugt von der seltenen Rasse Russisch-Europäische Laika, von der es in ganz Deutschland nur etwa 100 Tiere gibt.

Die Hundeart stammt aus Russland, erzählt Jens Ofer. Dort wurden und werden die Laiki (so die Mehrzahl) seit vielen Jahrhunderten gezüchtet und in der Jagd auf Elch, Wolf, Bär oder Luchs eingesetzt. In den Staaten der ehemaligen Sowjetunion bilden sie die mit Abstand größte Gruppe der Jagdhunderassen. Über Kontakte, die sowjetische Soldaten in der ehemaligen DDR knüpften, fanden die Laiki schließlich ihren Weg auch nach Deutschland. Noch immer hat der deutsche Laika-Club, der offizielle Zuchtverband, dem auch Jens Ofer und Stefan Gutland angehören, die meisten seiner Mitglieder im Osten. Dorthin reisen auch die beiden Wewelsburger Hundebesitzer immer wieder, um mit ihren Tieren in einem Schwarzwild-Gatter in Brandenburg zu trainieren. Und sollten ihre Vierbeiner Paul und Alex irgendwann einmal zur Zucht verwendet werden, werden wohl auch lange Wege fällig, um unter den relativ wenigen Tieren in Deutschland und darüber hinaus die perfekt passenden Hündinnen zu finden.

»Wir betreiben eine Jagdleistungszucht«, betont Jens Ofer, »die Tiere werden grundsätzlich nur an Jäger abgegeben.« Teilweise gebe es für Welpen sogar Wartelisten.

Doch weil Elch, Bär und Wolf hierzulande natürlich nicht gejagt werden, richten die Laika-Besitzer ihre Tiere vor allem auf Schwarzwild, also Wildschweine, ab. An mehr als 20 so genannten Drückjagden, bei denen eine ganze Gruppe von Jägern und Treibern im Wald unterwegs ist, haben Jens Ofer und Stefan Gutland mit ihren Hunden in der jetzt zu Ende gegangenen Saison seit Oktober teilgenommen. In ganz Nordrhein-Westfalen und weit darüber hinaus sind sie dafür unterwegs. »Laiki jagen nicht im Rudel wie andere Hunderassen«, erklärt Stefan Gutland.

Vielmehr sind sie unterwegs eng auf »ihren« Menschen konzentriert. Ihre Stärke ist es, das Wild in der Dickung aufzustöbern, zu verbellen und zu stellen. Jens Ofer: »Dabei vertrauen sie nicht nur auf ihre Nase, sondern auch auf Auge und Gehör.« Auch in der Nachsuche und im Wasser seien die wendigen Tiere mit einer Schulterhöhe von etwa 50 Zentimetern gut einzusetzen.

Doch das alles will trotz bester Erbanlagen auch geübt sein. Außerhalb der Saison trainieren Jens Ofer und Stefan Gutland darum mit ihren Tieren für die zahlreichen Prüfungen, denen sich Jagdhunde unterziehen müssen, nehmen an Turnieren teil - oder lassen ihre slawischen Kraftpakete im Sommer auch einmal eine Strecke neben dem Mountainbike laufen, damit sie genug Bewegung bekommen. Denn fürs Sofa sind sie eben nicht gemacht.

 

www.laika-club.de

 

Autor: Hanne Reimer